Seeregenpfeifer (Charadrius alexandrinus)

Sehr kleiner, sandfarbener Watvogel der Küsten, der bei uns fast nur noch an wenigen Stränden der Nordsee brütet und in Niedersachsen zu den am stärksten bedrohten Brutvögeln gehört.

Seeregenpfeifer (Charadrius alexandrinus)

Steckbrief: Seeregenpfeifer

Familie: Regenpfeifer (Charadriidae)
Größe: etwa 15–17 cm Körperlänge
Flügelspannweite: etwa 42–45 cm

Merkmale: Der Seeregenpfeifer ist ein zierlicher, kurzbeiniger Regenpfeifer mit sandbrauner bis graubrauner Oberseite und deutlich weißer Unterseite. Typisch sind der dunkle Augenstreif und der feine, schwarze Schnabel; Beine und Augen wirken dunkel. Im Flug fallen die schmalen Flügel ohne auffällige Flügelbinden auf.
Männchen: Im Prachtkleid deutlich kontrastreicher mit schwarzem Stirn- und Augenstreif, dunkler Gesichtsmaske und weißer Stirn, dazu warmbraune Seiten am Nacken; insgesamt klar gezeichnet und „maskenartig“ wirkend.
Weibchen: Deutlich matter gefärbt, der Kopf insgesamt bräunlicher, die schwarzen Partien sind abgeschwächt oder fehlen, die Zeichnung wirkt verwaschener; damit meist weniger kontrastreich als das Männchen.
Rufe: Meist leise, hohe, pfeifende Kontaktrufe und weich trillernde Balzrufe; insgesamt zarte, unaufdringliche Stimmen, die weniger hart klingen als bei Sand- oder Flussregenpfeifer.

Zug- oder Standvogel: In Deutschland ist der Seeregenpfeifer überwiegend Kurzstreckenzieher. Die Brutvögel der Nordseeküste verlassen im Herbst die Brutplätze und überwintern vor allem im Mittelmeerraum und an der nordafrikanischen Atlantikküste; nur in wärmeren Teilen des Verbreitungsgebietes tritt er als Standvogel auf.

Lebensraum: Bevorzugt werden offene, vegetationsarme Küstenlebensräume wie Sand- und Kiesstrände, Muschelschillbänke, Spülsäume und flache, salzbeeinflusste Strand- und Salzwiesen. Die Nester liegen als einfache Bodenmulden meist leicht erhöht oder in lückiger, niedriger Vegetation, oft im Übergangsbereich zwischen offenem Sand und spärlichem Pflanzenbewuchs. Im weiteren Verbreitungsgebiet nutzt die Art zudem Steppen- und Halbwüstengebiete mit offenen, trockenen Böden.

Verbreitung: Weltweit besiedelt der Seeregenpfeifer Küsten- und Steppenregionen in Europa, Asien, Afrika sowie Teilen Nord-, Mittel- und Südamerikas. In Mitteleuropa brütet er fast ausschließlich in Küstennähe. In Deutschland konzentriert sich der Brutbestand vor allem auf die Nordseeküste Schleswig-Holsteins (u. a. Beltringharder und Rickelsbüller Koog, Eidermündung); entlang der niedersächsischen Nordseeküste brüten nur noch sehr wenige Paare, vor allem auf Inseln und im Wattenmeer, während er im Binnenland nur selten als Durchzügler erscheint. Insgesamt ist die Art bei uns ein sehr seltener Brutvogel mit stark rückläufigem Bestand.

Gefährdung (Rote Liste Niedersachsen): In Niedersachsen und Bremen wird der Seeregenpfeifer in der aktuellen Roten Liste der Brutvögel (9. Fassung, Stand 2021) in Kategorie 1 „Vom Aussterben bedroht“ geführt; für das Land werden nur noch wenige Brutpaare (im einstelligen Bereich) angegeben, und die Art gilt als extrem seltene, hochgradig gefährdete Brutvogelart der Küsten.

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